Tauchbaden im Winter
Heilkraft des Wassers und der Sinne
Eisbaden liegt im Trend – welche Stellung nimmt das winterliche Tauchbaden in Naone ein?

„Ist das Wasser für den gesunden Menschen ein vorzügliches Mittel, seine Gesundheit und Kraft zu erhalten, so ist es auch in der Krankheit das erste Heilmittel. Es ist das natürlichste, einfachste, wohlfeilste und, wenn recht angewendet, das sicherste Mittel.“,
sagt Sebastian Kneipp
Und er meinte damit kaltes Wasser; warmes wird höchstens im Wechsel eingesetzt. Er selbst konnte durch tägliche Fluss-Bäder in der kalten Donau sowie Wassergüsse seine Tuberkulose vollständig ausheilen und entwickelte ausgehend von diesen Erfahrungen rund 120 verschiedene Wasser-Anwendungen.
Allgemein gilt ein Bad im kalten Wasser stärkend für Immun- und Kreislaufsystem, es hilft beim Stressabbau und fördert die Regenerationsfähigkeit. Entwicklung mentaler Stärke wird als weiterer positiver Effekt beschrieben. Ein richtiggehender Trend zum Eisbaden hat eingesetzt.
Welche Stellung nimmt das Tauchbaden
– sowohl winters wie sommers–
im ökologisch-spirituellen Projekt ein?
Das Tauchbaden schenkt eine Möglichkeit, der Welt mit Sinnesfreude zu begegnen. Sinnesfreude meint, den Phänomenen der Welt mit einem wachen und aktiven Bewusstsein wahrnehmend und beobachtend gegenüberzutreten und die Sache selbst zu erleben und zu empfinden. Das Wasser als Wasser. Die Kälte als Kälte und die Wärme als Wärme.
Wie leicht taucht das Bewusstsein sprichwörtlich ab und bedeutet ein Bad im Sommer eine wohlig-anregende Erfrischung und das Bad im Winter einige Augenblicke einer schaurig-erschreckenden, schlotternden und nach Luft schnappenden Gemütsbewegung? Was bleibt an tatsächlicher Wahrnehmung im Rückblick übrig?

Die Sinnesfreude sucht das beobachtende, objektive Wahrnehmen und erfreut sich daran, wie der sinnliche Eindruck sich ausspricht: die Eleganz einer Pflanze, die Geschmeidigkeit einer Katze oder auch die Haut, die Peripherie des Körpers, umhüllt von Kälte. Das Erleben der Kälte an der Peripherie und der Wärme im Zentrum des Körpers ist ein Beispiel für eine mögliche, gedanklich gelenkte Sinneswahrnehmung.
Und damit tritt ein weiterer Gesundheitsaspekt hinzu:
„Die rechte und bewusste Betätigung der Sinne führt den Menschen zu einem geordneteren Beziehungstableau mit allen Erscheinungen, die die Welt bietet, und das Wesentliche ist es, dass diese Disziplin eine Möglichkeit bietet, den vielen Auflösungsprozessen, […], mit einer klareren Formstruktur entgegenzuwirken.“

Weil es so ‚normal‘ ist, nimmt man in der Regel gar nicht wahr, wie wenig man selbst die Außenwelt wahrnimmt und wie viel mehr man dagegen die eigene Innenwelt durch Wünsche, Hoffnungen, Sympathie und Antipathie nach außen projiziert und dort mehr sich selbst als das Gegenüber wahrnimmt. Allein, sich dies bewusst zu machen, ist eine übende Grundlage.
„Das Sehen der Außenwelt, wie sie ist, behindert sich durch die eigene beladene und ungeläuterte Innenwelt. Der erste Prozess, die Sinne frei von den eigenen Emotionen und den daraus entstehenden Projektionen zu machen, besteht darin, dass man ein Objekt in der Außenwelt oder beispielsweise eine Textstelle objektiv für längere Zeit, vielleicht für zwei bis fünf Minuten beobachtet. […]In jedem Fall muss der Übende sein motorisches und automatisches Innenleben aus dem Sinnesprozess für wenigstens einige Phasen verbannen, damit er zu einer objektiven Wahrnehmung der Außenwelt gelangt.“
Dies ist ein äußerst gesundheitsförderlicher Prozess:
„Eine ruhige Gedankenbildung begleitet in der Regel jede objektive Wahrnehmung und schenkt jene gesundheitsfördernden, sogenannten formenden Kräfte, die das Sonnenlicht ebenfalls in seiner Natur beinhaltet.“
Heinz Grill
Die Zitate stammen aus dem Aufsatz von
Heinz Grill, „Die Sinneslenkung und ihre heilsame Bedeutung“,
veröffentlicht am 25. November 2023 unter www.heinz-grill.de
Einige Tauchbadende im Winter 2025/26 erzählten von ihren Motiven:





















Wir gehen beispielsweise jeden Morgen in ein kaltes Tauchbecken und dies sogar in winterlichen Zeiten. Im Nachhinein ist schon ein Frösteln und ein Zittern spürbar, aber nach einer gewissen Zeit erwärmt sich der Körper und bildet dadurch mehr Wärme.
Die Wärmebildung erscheint mir sehr entscheidend, sie muss vom Körper selbst beziehungsweise vom gesamten Organismus mehr geleistet werden. Hierzu wären auch körperliche sinnvolle rhythmische Aktivitäten wesentlich, Bewegung beispielsweise oder gute, bewegte Atmung.“
Heinz Grill im Gespräch mit Dr. Gunter Albert über die Stärkung des Immunsystems im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Text und Bild: Lilly Zahara, 30.1.2026

„Die Sinneslenkung und ihre heilsame Bedeutung“
Aufsatz von Heinz Grill, veröffentlicht unter heinz-grill.de am 25. November 2023.
Nebenstehende Illustration stammt aus der oben genannten Veröffentlichung und trägt den Titel Der sensorische Blick
„Über die Stärkung des Immunsystems im Zusammenhang mit dem Coronavirus“
Heinz Grill im Gespräch mit Dr. Gunter Albert über die Stärkung des Immunsystems im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Zitat von Sebastion Kneipp aus
„Die fünf Säulen der Kneipp-Methode“:
Heilpflanzen, Bewegung, Lebensordnung, Ernährung, Hydrotherapie,
dargestellt vom Schweizer Kneippverband unter kneipp.ch