Ein Ökologisches Projekt mit Kunst, Natur und Spiritualität

An ecological project with Art, Nature and Spirituality

Un progetto ecologico con Arte, Natura e Spiritualità

das aus der Notwendigkeit der Zeit als erlebbares Beispiel für eine zukünftige Kultur gedacht ist

Die klassische Zeit für Naturbetrachtungen, so möchte man meinen, wäre die Vegetationsperiode mit ihrem Reichtum an Farben und Formen. Wohin man den Blick dann auch richtet – aus jedem Detail der Natur kommen Wachstums- und Lebenskräfte entgegen. Nicht so in der vegetationslosen Zeit, dem Winter. Fehlt auch noch der Bilderbuchcharakter einer verschneiten, im Sonnenlicht glitzernden Landschaft, scheint es wenig Anlass für Naturbetrachtung zu geben.

Bereits in anderen Beiträgen wurde der Begriff der „Ätherkräfte“ eingeführt. Damit werden in Bezug auf die Natur die gestaltbildenden Lebenskräfte angesprochen. Diese lassen sich nach den Aussagen von Rudolf Steiner und Heinz Grill in vier verschiedene Ätherarten differenzieren. Wie Pflanzen inniglich mit Licht und Wärme verbunden sind, ist auch die Erforschung von Licht- und Wärmeäther zum Beispiel an verschiedenen Blütenformen oder dem Getreide ein besonders schönes Feld.

Vom sogenannten Lebensäther kann man sich schwieriger einen Begriff bilden. Heinz Grill spricht davon, dass der Lebensäther zu den „tiefsten Geheimnissen des Ätherleibes“ zählen würde und schwerer zu erfassen wäre als beispielsweise der Wärmeäther.

Nicht nur beim Blick auf das blütenhafte Detail, auch beim Blick auf oder über die Landschaft kann man sich die Frage stellen, welcher Äther sich wirksam zeigt. Dieser Artikel handelt also davon, einer Landschaft mit ruhiger Beobachtung und vorstellender Rückerinnerung die Frage zu stellen, welche Ätherart sich in diesem Augenblick ihren Ausdruck verschafft. Denn, wie Heinz Grill beschreibt, ist das Ätherwirken nie statisch, sondern immer fluktuierend.

Entsprechend kann auch nicht für eine Landschaft grundsätzlich eine bestimmte Ätherart definiert werden. Der jeweils vorherrschende Äther verleiht der Landschaft jedoch eine bestimmte Anmutung, einen Ausdruck, der als Empfindung wahrgenommen werden kann.

Um die spezifische Anmutung einer Landschaft an einem bestimmten Tag zu empfindungsmäßig zu entschlüsseln, können wir auf Beschreibungen und auch auf illustrierende Zeichnungen von Heinz Grill zurückgreifen.
Der Lebensäther ist durch die Gleichzeitigkeit einer tiefstmöglichen Konzentration in einem Punkt und einer größtmöglichen Weite charakterisiert. In Bezug auf die Materie wählt Heinz Grill die Beschreibung der Empfindung von Ruhe, des In-Sich-Selbst-Ruhens, des In-die-Tiefe-Gehens.

Der Lebensäther sucht

Zitate aus: Heinz Grill, „Das Wesensgeheimnis der Seele“,
Stephan Wunderlich-Verlag 2016, S. 362 und 363

Ein aus der Geometrie entwickeltes Flammensymbol zeigt dies geordnet und bildhaft auf.

Heinz Grill, „Der freie Atem“, Heinrich-Schwab-Verlag Argenbühl 2017, S. 60. Nebenstehende Zeichung ist ebenfalls diesem Buch entnommen.

In dem oben zitierten Absatz bezieht Heinz Grill den Lebensäther auf den Menschen; unabhängig davon hilft es zur weiteren Charakterisierung des Lebensäthers.

Heinz Grill, „Der freie Atem“,
Heinrich-Schwab-Verlag Argenbühl 2017, S. 60

Auch an anderer Stelle weist Heinz Grill darauf hin, dass im Äther, der frei von Schwerkraft ist, andere Gesetze gelten und sich im Ätherischen deshalb das Widersprüchliche im Sinne einer Gegenbewegung ergänzen kann.

Heinz Grill, „Ernährung und die gebende Kraft des Menschen“,
Stephan-Wunderlich-Verlag , 8. Aufl. 2013, S. 49.

Die Vorstellungsbildung anhand von Samen eröffnet ebenfalls einen Zugang zur Empfindung des Lebensäthers. Die Samenbildung steht bei Pflanzen am Ende ihres Vegetationszeitraumes. Blätter, Stängel, Knospen, hatten sich nach und nach entfaltet und mit den Blüten verströmten sich Farbe, Form und Duft in den Kosmos. Mit der Samenbildung vergeht die Pflanze. Was bleibt, ist ein hartes Gebilde, das nicht im Entferntesten der Schönheit der vorhergegangenen Blüte ähnelt. Wie tot wirkt der Same, mit der Schwerkraft fällt er auf die Erde, überwintert oder überdauert leblos.

Heinz Grill, „Das Wesensgeheimnis der Seele“,
Stephan-Wunderlich-Verlag, 3. Aufl. 2016, S. 361 und 362.

Im Samen ist die Möglichkeit oder die Idee der Pflanze angelegt. Diese Idee der Pflanze, wie sie sich im Keim- und Wachstumsprozess ausgestalten werden wird, ist noch nicht sichtbar, erfahrbar, erlebbar, sie liegt wie in weitester Ferne oder in der Unendlichkeit des Kosmos verborgen. Diese zukünftigen Möglichkeiten finden sich jedoch in der für den Augenschein gänzlich wesensfremden Materie des Samens konzentriert.

Betrachtet man nun eine Landschaft mit den erarbeiteten Vorstellungen mit der Frage, welche Ätherkraft ihren Ausdruck sucht, kann sich eine feine Empfindung aus der Anmutung einstellen. Unten stelle ich zwei Fotos aus Naone zur Verfügung, die in mir die Empfindung einer größtmöglichen Konzentration und Ruhe der Erde einerseits, und gleichzeitig einer größtmöglichen Weite des sich hoch und frei wölbenden Firmaments wachgerufen haben.

Angefügt sind hier auch noch vier Eindrücke einer süddeutschen Landschaft. Das Motiv der Fotos könnte unspektakulärer kaum sein: ein abgeerntetes Feld in den Wintermonaten. An diesem Tag jedoch schien mir das einfache Stück Land diese Charakteristik zu zeigen, während an anderen Tagen diese Szenerie mehr wie ausdruckslos erschien.

Wie alle Ätherarten kann auch der Lebensäther in anderen Lebenszusammenhängen studiert werden. Beim Ausdruck einer Persönlichkeit beschreibt ihn Heinz Grill beispielsweise als den tiefsten Willenskern eines Menschen, der sich gleichzeitig im weit ausstrahlenden Charisma zeigt. Auch ist es der Lebensäther, der dem Menschen die Fähigkeit der Aufrichtekraft schenkt.

Als Anregung zur weiteren Auseinandersetzung ist in den Anmerkungen außerdem noch eine Vertonung des Gedichtes von Heinz Grill „Lebensäther erschafft Frieden“ angefügt. Komposition und instrumentale Begleitung stammen von Stephan Wunderlich, es singt Aline Roüast.

Text und Bild: Lilly Zahara, 21.02.2026


Günther Pauli hat das Bild des Quadrates zur Veranschaulichung des Lebensäthers ausgearbeitet. Als Grundmotiv findet sich auch in seiner Zeichnung die Zusammenziehung auf den kleinsten Punkt und die Ausdehnung in die Weite. Im Bezug auf die Landschaft ist diese Betrachtung eine unbedingte Ergänzung, da sie eine Empfindung nicht nur der Höhe, sondern auch der weiten Ausdehnung des Komos evoziert. Lesen Sie dazu seinen Aufsatz auf der Seite „Geistige Erkenntnis entwickeln“. Nebenstehende Zeichnungt stammt von Günther Pauli.


Die Flammenform in der Landschaft ist aus zwei Parabeln konstruiert. Hansjörg Bögle hat sie freundlicherweise entworfen. Seine Arbeit zielt auf die Erstellung schöner, wohlproportionierter Formen, die mit der Umgebung in Beziehung stehen und den Betrachter zu einem vertieften Erleben und einer Schulung des eigenen Empfindens anregt. 
Weitere Infos und eine Ausstellung unter ww.hansjoerg-boegle.de


Im Buch „Wesensgeheimnis der Seele“ befasst sich Heinz Grill in einem ganzen Kapitel mit dem Lebensäther: „Ein geometrisches Erleben zum Organ der Lunge und die Sinnesmentalität“.  Ausgehend von der Figur des Quadrats führt er die charakteristische Polarität des Lebensäthers ein. Dass der Mensch zur Ruhe und zu einem Gefühl des Beheimatetseins in der Erde kommt, ist Voraussetzung für eine freie Offenheit für Sinneseindrücke. Da dies in der heutigen Zeit oftmals nicht gegeben ist, empfiehlt er Übungen mit differenziertem Beobachten und konkretem Denken, die zu einer Ordnung der Persönlichkeit führen.
Das Buch ist erhältlich im stw-verlag


Angelika Dahlhaus hat in ihrer Reihe „Art d’Hommage“ am 4.1.2019 ein Gespräch mit Heinz Grill zum „Lebensäther“ geführt. Zwei Passagen von Heinz Grill möchte ich an dieser Stelle als Abschrift teilen und damit die Betrachtung des gesamten Dialogs anregen:

Wie kann man sich diesem Lebensäther in einer Vorstellung annähern? Ein gewisses Gefühl dafür ausprägen, um was es sich handelt? Es ist der tiefste Äther im Menschen. Da er der tiefste Äther im Menschen ist, besitzt er eigentümlicherweise immer ein Gegenstück, das ist der weitest gefasste Umkreis. Das, was am tiefsten im Menschen ruht, das hat die stärkste Bedeutung in der Wirkkraft nach außen. Man kann sogar sagen, dass die Kraft, die im Lebensäther sitzt, diejenige ist, die am stärksten in einer Art charismatischen Verfügbarkeit steht und Menschen entsprechend auch beeinflussen kann.“ (ab Min. 19:00)

Der eigentliche Weg, den Lebensäther zu entdecken, ist, dass man sich völlig frei von den Fixierungen des Atems macht. Der Atem soll so leicht, wie das Luftelement ist, sein. Sobald man eine Anstrengung unternimmt, fixiert man den Atem. Nun führt man sich in die Disziplin ein, den Atem trotz der Anstrengung, sich in den Schulterstand aufzurichten, freizulassen und damit auch den Körper zwar im Willen führen, aber nicht zu fixieren. […] Es ist gewissermaßen, dass man eine anhebende, leichte Kraft walten lässt durch die Disziplin des Loslassens des Atems, Loslassens von allen gebunden Fixierungen im mentalen Bereich und sogar den Körper loslässt und nur gemäß der gewonnenen Vorstellung oder des gedachten Bildes den Körper in die Stellung führt. Dann wird man bemerken, dass es eine Kraft gibt, die tatsächlich aufsteigend im Sinne einer Anhebung, im Sinne einer leichten und aufstrebenden Dynamik wirkt. Auf diese Weise könnte man sich dem sogenannten Äthern allgemein annähern und ganz besonders dem Lebensäther.“ (Ab Min. 22:00)


Das Buch „Ernährung und die gebende Kraft des Menschen“ beinhaltet eine Charakterisierung der vier Ätherarten. Auf Seite 49 gibt es eine einfache Übungsanleitung zur Vorstellungsbildung zum Lebensäther anhand von einfachen Kürbiskernen.
Das Buch ist erhältlich im stw-verlag