Blüte – Biene – Mensch
Beobachtungen und Gedanken an einem Sommertag in Naone
Im Hochsommer wechselt jede Wiese von der farbenfrohen Blüte zur goldgelb-bräunlichen Samenbildung. In Naone ist es nicht anders; allerdings sind an einigen feuchteren Stellen sind noch Blüten zu finden. Hier zieht jetzt vor allem die Minze die Blicke des Besuchers auf sich.
Doch nicht nur der Menschen: zahlreiche Insekten besuchen die Blüten und laben sich am Nektar. Schmetterlinge sind sicherlich die auffälligsten und schönsten Blütenbesucher, doch sind sie nicht allein.




Für den Naturfreund ist schon die Lebendigkeit der gaukelnden Insekten schön anzusehen; man erlebt die Bewegtheit und Verbindung, die sie zwischen den Elementen, zwischen Kosmos und Erde herstellen.
Zusammen mit einem Freund beobachte ich das schöne lebendige Bild. Er ist Imker und hat ein besonderes Auge für die Honigbiene, die er zu Hause hegt und pflegt.
So formen sich aus unserer reinen Beobachtung Vorstellungsbilder:
Mit ihrem Rüssel saugt die Biene winzige Nektartropfen aus dem Blütenboden. Die Blume ist es, die den Nektar, reich an Zucker, Mineralstoffen und Duftstoffen, in den Nektarien produziert und den Insekten anbietet. Im Honigmagen trägt sie ihn in den Stock. Bis zu drei Kilometer schwärmen die Bienen aus, um Nektar von den Blüten zu sammeln. Zurück im Stock, wird der mitgebrachte, bereits mit Enzymen angereicherte Nektar in die von anderen Bienen gebauten, immer gleichmäßig sechseckigen Waben gefüllt. Dieser noch viel zu flüssige Nektar wird nun innerhalb des Bienenstockes mehrfach umgetragen, das heißt, immer wieder von Bienen aus der Wabe gesaugt, im Honigmagen fermentiert und in eine andere Wabe abgelegt. Auch durch das Befächeln wird der Wassergehalt reduziert. Der schließlich fertige, dickflüssige, mit Mineralien angereicherte und fermentierte Honig wird schließlich in einer Wabe verdeckelt.




Die sogenannte „Mistbiene“ (eine zum Verwechseln ähnliche Schwebfliegenart) hat im Vergleich zur Honigbiene sehr viel größere Facettenaugen und deutlich kürzere Fühler.
Honig ist nicht nur als Genussmittel, sondern auch als äußerst wertvolles Heilmittel anzusehen. Neben dem Honig vermag die Biene der Gesundheit des Menschen noch viel mehr zu geben: Propolis ist sicherlich an erster Stelle zu nennen, doch auch Pollen, Gelee Royale oder Bienenstockluft entfalten Heilwirkungen beim Menschen. Das Bienenwachs als Lichtspender ist aus keiner Kultur wegzudenken.
Die Ökologie will aber nicht bei dem stehen bleiben, was die Biene, die Natur, dem Menschen bieten kann.
Wie sieht es umgekehrt aus? Was kann der Mensch der Biene anbieten?
Als erste Verantwortlichkeit denkt man wahrscheinlich an den Imker, der die Bienen pflegt und den Honig erntet. Nun kommen vielleicht der Landwirt, Gärtner, oder Privathaushalt, der mit einer bunten Blumenvielfalt möglichst über ganze Vegetationsjahr gleichmäßig verteilt die Nahrungsgrundlage für die Biene schafft. Auch der Konsument, der biologische, hochwertige regionale Produkte bevorzugt und so die Imkerei unterstützt.
Bewusste Wahrnehmung und Gedankenbildung sind Begabungen eines jeden Menschen. Wir können die Prozesse in der Natur begleiten, reflektieren, unsere Wertschätzung vertiefen und Beziehung gründen. Zu dem, „was“ man tut, tritt hinzu, „wie“ man es tut.
In dem Sinne kann jeder der Natur etwas entgegenbringen. Die Ökologie beginnt im Menschen.





„Das, was in einem Bienenvolk lebt, ist von hoher Weisheit und Sorgfalt geprägt. Die Bienen bilden einen idealen Staat für sich. So wie die gesamte Ordnung der Natur von übergeordneter Weisheit richtig gelenkt wird, so bilden die Bienen ein ganzes Volk, das nach höchsten Ordnungen und Prinzipien seine Arbeiten und Aufgaben in Gemeinsamkeit ausführt. Der Mensch kann den Honig, der aus der weiten Blütenpracht stammt und durch den Wärmebereich des Bienenvolkes hindurchgegangen ist, für sich nehmen. Es lebt in diesem Nahrungsmittel die Heilkraft von einer Blütenkraft und auch von einer Wärmekraft und es fördert Weisheit und Ordnung.“
Heinz Grill
„In der Süße liegt etwas Ausdehnendes, etwas, das nach Weite und Offenheit strebt. Alles Blütenhafte schmeckt in irgendeiner Weise süß. […] Honig wird durch die Bienen aus dem Nektar der Blüten auf Wiesen und in Wäldern zusammengetragen. Eine enorme Arbeit ist vom Bienenvolk erforderlich, um nur eine geringe Menge Honig zu produzieren. Tausende von Blüten und Baumwipfeln müssen angeflogen werden, damit der wertvolle Nektar gefunden wird.
Isst der Mensch nun den Honig, jene Substanz, welcher der Nektar aus dem weiten Blütenmeer der Natur zugrunde liegt, so nimmt er damit auch teil an dieser Weite. Er nimmt die Süße von Hunderten von Blüten in sich auf. […]
Weite Blütenkraft lebt in der Süße des Honigs, weshalb eine anregende und aufbauende Wirkung mit diesem Heilmittel verbunden ist.“
Heinz Grill

Fotos und Text: Lilly Zahara, 17.08.2026
Fotos „Biene auf Himbeere“: Martin Sinzinger
„Der Mensch kann die Wesen der Natur zu einem freudeseligen Erwachen führen oder gleichgültig darüber hinweg streifen. Die Ökologie liegt im Menschen“.
Zu diesem Gedanken siehe einen vertiefenden Artikel auf dieser Seite.

Zitate von Heinz Grill:
Heinz Grill, „Ernährung und die gebende Kraft des Menschen“, Stephan-Wunderlich-Verlag , 8. Aufl. 2013, S. 137 und S. 139
